Montag, 10. Oktober 2016

Ab 1. Januar: Krankenkassen berechnen Beiträge nach Gewicht der Beitragszahler



Wie bei der heutigen, gemeinsamen Pressekonferenz der gesetzlichen Krankenkassen bekannt gegeben wurde, werden ab 1. Januar die allgemeinen Beiträge an das Gewicht der Beitragszahler gekoppelt.

Das bedeutet laut Pressesprecher Stefan Albert, dass fettleibige Personen zukünftig mehr zahlen als sportliche, schlanke Beitragszahler. Der Grund dafür liegt laut Albert auf der Hand, denn konkret entfielen für die Behandlung von Adipositas und die Folgeerkrankungen Gesamtkosten von 8,6 Milliarden Euro auf das deutsche Gesundheitssystem. Die Barmer-GEK veröffentlichte dazu eigens eine Studie.

Überprüft wird eine mögliche Fettleibigkeit demnach durch eine umfassende Big Data Analyse aller verfügbaren Nutzerdaten im Internet. Konkret werden dabei, z.B. Facebook Profilfotos, Instagram Selfies und Lieferdienstbestellungen systematisch durch einen komplexen Algorithmus ausgewertet. Des Weiteren werden Bewegungsdaten von Handys mit einbezogen. So sind Personen, die sich kaum bewegen oder bei denen keine Daten vorliegen, grundsätzlich verdächtig. Sie werden als fettleibig eingestuft, da sie laut Stefan Albert etwas zu verbergen haben und für den Höchstsatz heran gezogen werden sollten.

Auch die deutsche Politik hat der Fettleibigkeit den Kampf angesagt, so diskutieren bereits namhafte Politiker Vorschläge für eine sogenannte Dickmacher-Steuer. Edgar Franke, Bundestags-Gesundheitsausschuss-Mitglied und SPD Abgeordneter, schlägt demnach einen Aufschlag in Höhe des halben Mehrwertsteuersatzes vor.

Gegenwind kommt vom Hamburger Datenschutzbeauftragten, Johannes Caspar: "Der von den Krankenkassen vorgeschlagene Algorithmus stellt den Super-GAU in Sachen Privatsphäre dar. Der Beitragszahler wird zum gläsernen Patienten. Das werden Verhältnisse wie in der ehemaligen DDR, nur dass es dort damals keine Selbstdarstellung in Sozialen Medien gab."

Autor Wirtschaftsressort: Armin Reich

Bleibe informiert und folge uns jetzt auf Facebook.